Die Zeichen der Zeit im Licht des Evangeliums sehen

„Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen,
und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.“

Pfingsten: Das Fest der mutigen Gemeinschaft

Liebe Schwestern und Brüder!

Das Pfingstfest ist das Geburtstagsfest der Kirche. Aus einer verängstigten Jüngerschar, die sich hinter verschlossenen Türen versteckt hat, wird eine kleine mutige Gemeinschaft, die davon erzählt, was ihr Herz erfüllt, und diese frohe Botschaft breitet sich aus. Es wäre schön, wenn wir jetzt in unserer Situation diesen ermutigenden Geist erfahren würden. Ähnlich wie die Jünger damals, sitzen wir zuhause und wissen nicht recht, wie es weiter gehen wird: Was wird aus unserem Urlaub? Wie lange müssen wir Masken tragen und Abstand halten? Was wird aus Kita und Schule? Wie entwickeln sich Gesellschaft und Wirtschaft weiter? Unsere Fragen und Sorgen sollen am Pfingstfest vom Heiligen Geist berührt und durchdrungen, ja, vielleicht sogar weggeweht, erleuchtet oder verbrannt werden. Der frische Wind und das Feuer der Liebe sind die beiden Zeichen, mit denen der Heilige Geist die Herzen der Gläubigen erfüllt.
Beim Pfingstfest geht es also um unsere Herzensangelegenheiten: Was wünsche ich mir von Herzen? Was begeistert mich auch in Zeiten der Krise? Welche Ideen und Visionen habe ich für die Zukunft? Welches Projekt ist für mich Herzenssache?
Viel zu oft verschieben wir unsere Herzenswünsche auf später: „Im Moment geht es leider nicht, weil…“ Ja, viele Dinge gehen im Moment leider nicht. Aber wenn wir unseren Herzenswünschen keinen Raum geben, kann es sein, dass unser Herz krank wird.
Herz- und Kreislaufversagen sind weltweit immer noch eine sehr häufige Todesursache.
„Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen.“, heißt es im Römerbrief. Und dieser Liebe dürfen wir nachspüren. Das Pfingstwunder sagt, dass nicht alle eine Sprache sprechen, sondern jeder die frohe Botschaft in seiner Muttersprache hören kann. Ganz persönlich spricht Gottes Geist in unseren Herzen die Sprache, die wir verstehen. Dass es Gottes Geist ist, erkennen wir daran, dass sich Freude in uns ausbreitet und wir anderen davon erzählen möchten. Denn Gottes Geist schenkt uns Ideen und Talente, die wir mit anderen teilen wollen und die unsere Gemeinschaft stärken. Das wäre ein Pfingstfest 2020, mitten in der Corona-Krise, wenn der Funke überspringt und jeder auf seine Art und Weise das Antlitz der Erde erneuern hilft in guter Gemeinschaft miteinander. Wir haben diesen Geist empfangen, und er wartet nur darauf, durch uns zu wirken. Obwohl er da ist, sollen wir ihn herbeirufen und ihm dadurch unsere Mitarbeit signalisieren:
„Komm herab, o Heilger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt. Komm, der alle Armen liebt, komm, der gute Gaben gibt, komm, der jedes Herz erhellt.“
(GL 344)
Heute, am Pfingstfest, möchte ich mich mit den Ermutigungstexten von Ihnen verabschieden in dem Vertrauen, dass wir alle den Geist empfangen haben, der uns zu Kindern Gottes macht. Erzählen wir einander, was unser Herz bewegt, und lassen wir uns vom Geist Gottes leiten in eine vertrauensvolle und hoffnungsvolle Zukunft, an der wir liebevoll mitbauen.

Das wünscht Ihnen von Herzen
Ihr Diakon Christian Engels

 



„Wo Himmel und Erde sich berühren“

24.05.2020  siebter Ostersonntag

Liebe Schwestern und Brüder!

Eine Geschichte erzählt, dass sich zwei Menschen auf den Weg machen, um den Ort zu finden, an dem Himmel und Erde sich berühren. Dort sei eine Tür, die sich öffnet, sobald wir anklopfen, und wir würden Gott schauen. Nach einer langen Wanderung erreichen die beiden diese Tür. Als sie mit klopfendem Herzen eintreten, stehen sie bei sich zu Hause.
Der Kinderbuchautor Janosch erzählt in seinem Buch „Oh, wie schön ist Panama“ die gleiche Geschichte. Und Martin Buber schreibt in „Der Weg des Menschen“: „Es gibt etwas, was man an einem einzigen Ort in der Welt finden kann. Es ist ein großer Schatz, man kann ihn die Erfüllung des Daseins nennen. Und der Ort, an dem dieser Schatz zu finden ist, ist der Ort, wo man steht.“ Da, wo wir leben, ist der Schatz verborgen, und wir finden ihn oft nicht. Woran liegt das? Ein Hindernis ist die Einstellung, dass wir die Erfüllung unseres Lebens erst nach dem Tod erfahren werden. Im irdischen Leben gibt es Licht und Schatten, Freude und Leid. Trotzdem ist das Reich Gottes, die Erfahrung des Glücks, von dem Jesus immer wieder in Bildern und Geschichten erzählt, eine Wirklichkeit mitten unter uns. Herbert Grönemeyer drückt diese Erfahrung in seinem Lied „Der Weg“ sehr schön mit den Worten aus: „Es ist ein Stück vom Himmel, dass es dich gibt.“
Ein weiteres Hindernis ist für mich, dass wir das Glück oft in großen Dingen und Ereignissen suchen, obwohl es in den kleinen Dingen des Alltags verborgen ist.
„Do small things with big love.“ Tue die kleinen Dinge mit großer Liebe, sagt eine Lebensweisheit. In einer Zeit, in der wir auf Hygieneregeln und Abstände achten müssen, in der sich trotz vieler Öffnungen das Gefühl der Freiheit und des Glücks nicht so recht einstellen möchte, dürfen wir das Experiment wagen, die Erfüllung in den Dingen und Menschen zu finden, die jetzt da sind. Auch wenn ich einen Mundschutz trage, kann ich voll Liebe auf die Menschen schauen, denen ich begegne. Und nicht nur auf die Menschen, auch auf die Dinge, die jeden Tag auf dem gedeckten Tisch stehen und mich nähren, auf die Natur, die mich belebt und erfreut. Ich darf all‘ das, was mich umgibt und mein Leben erhält, um seiner selbst willen lieben, aber ich kann auch die Spuren Gottes in allen Geschöpfen sehen und dadurch ihre besondere Würde entdecken. Es gibt einen Gruß, der lautet: „Ich grüße das Göttliche in dir.“ Mit diesen Worten, auch wenn wir sie nicht laut aussprechen, erfüllen wir unser Zuhause und unsere Begegnungen mit einem neuen Glanz. Die ewigen Freuden wollen nicht auf uns warten. Sie möchten unseren gerade jetzt so reglementierten Alltag durchdringen wie ein Stück Sauerteig. Verschieben wir sie nicht in eine unbestimmte Zukunft. Im Evangelium heißt es: „Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott zu erkennen.“ Hören wir genau hin: Das ist das ewige Leben und nicht, so wird es einmal sein. Erkennen bedeutet in biblischer Sprache lieben. Wenn wir Gott in unserem Leben, so wie es jetzt ist, erkennen und lieben, beginnt unter uns etwas von der ewigen Freude. Beten wir füreinander nicht nur um Gesundheit und Vertrauen, sondern auch um den Heiligen Geist, der uns die Augen dafür öffnet, wo sich in unserem Leben Himmel und Erde berühren.

Das wünscht Ihnen von Herzen
Ihr Diakon Christian Engels

 



 

„Sehnsucht nach Gemeinschaft“

17.05.2020  sechster Ostersonntag

Liebe Schwestern und Brüder!
Wenn Menschen, die sich lieben, voneinander getrennt sind, wächst die Sehnsucht. So geht es jetzt vielen Großeltern, die ihre Kinder oder Enkelkinder lange nicht gesehen haben. So geht es den Menschen, die ihre Freunde vermissen, die allein zu Hause oder in einem Heim leben und wenig Besuch bekommen. Da kann man sich schon einmal wie ein Waisenkind fühlen, das seine Familie verloren hat und irgendwo allein zurückgelassen wurde. Auf dieses Gefühl antwortet Jesus seinen Freunden: „Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen.“ Jesus kennt die Gefühle der Verlassenheit durch seinen eigenen Leidensweg und möchte seine Jünger ermutigen, sich für die ganze Wahrheit des Lebens zu öffnen, gerade jetzt, in der Situation, in der es heißt, Abschied zu nehmen von dem, was so vertraut ist. Jesus weiß, dass unsere Sehnsucht nach menschlicher Nähe, nach Geborgenheit, nach Gesundheit und Sicherheit auch eine Sehnsucht nach Gott ist. Wenn wir die Erfüllung unserer Wünsche und unserer Sehnsucht nur von Menschen erwarten, würden wir sie überfordern, denn unsere Sehnsucht gründet tief. Deshalb ist es das große Anliegen Jesu, den Menschen von der Gegenwart Gottes zu erzählen und sie spürbar zu machen. Auf dieser Basis gelingt die Gemeinschaft unter uns dann sehr viel leichter. Jesus verkündet uns die Liebe Gottes als etwas, das bleibt, als eine Wirklichkeit, die immer bei uns ist und in uns wohnt: „Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll…und in euch sein wird.“ Spüren wir mit dieser Zusage noch einmal zu den Menschen hin, die uns jetzt fehlen, die wir nicht in die Arme schließen dürfen, denen wir nicht einmal die Hand reichen sollen. Alle Sehnsucht nach Verbundenheit ist auch eine Sehnsucht nach dem Ursprung unseres Lebens. Und die Antwort auf diese Sehnsucht können wir in uns und um uns herum finden. Der Schlüssel ist wieder einmal die Liebe: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr den Geist der Wahrheit empfangen“, sagt Jesus sinngemäß. Wenn wir also Sehnsucht nach unseren Lieben, nach Gemeinschaft und Begegnung haben, dann hilft es zu spüren, dass die Liebe Gottes verbunden mit unserer Sehnsucht in uns wohnt und wir sie sichtbar oder unsichtbar den Menschen schenken können, die wir gerne bei uns hätten. Alle Liebe, alle Freude, alle Hoffnung, die wir aussenden, auch wenn es auf Distanz geschieht, erfüllt ebenso unser eigenes Herz. Diese Erfahrung, dass wir Gottes Liebe in uns haben und sie reichlich verschenken können, kann unsere Einsamkeit, unser Getrenntsein verwandeln. Jesu Heimkehr zu seinem himmlischen Vater lässt die Jünger zwar scheinbar allein auf dieser Erde zurück, eröffnet ihnen aber gleichzeitig einen ganz direkten Zugang zu Gott. Vertrauen wir dem, der uns wachsen und reifen lässt in Glaube, Hoffnung und Liebe und teilen wir dieses Geschenk mit denen, die wir gerade vermissen.

Das wünscht Ihnen von Herzen
Ihr Diakon Christian Engels

 



 

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“

10.05.2020 fünfter Ostersonntag

Liebe Schwestern und Brüder!

„Alles neu macht der Mai.“ ist ein Sprichwort, das uns auf die grünende und blühende Natur im Wonnemonat Mai hinweisen möchte. Aber in diesem Jahr hat es auch eine gesellschaftliche Bedeutung: Die Spielplätze für die Kinder sind wieder geöffnet, wir dürfen Gottesdienste in unseren Kirchen feiern, die Restaurants eröffnen wieder, wir dürfen eingeschränkt reisen und Camping machen, alle Geschäfte werden geöffnet, wir dürfen tanzen und schwimmen gehen. Auch Theater und Kinos werden ihre Türen öffnen und vor allem dürfen die alten Menschen in den Heimen wieder besucht werden. Das ist bestimmt für viele Mütter an diesem Sonntag ein besonderes Glück. Diese von der Politik geschenkte Freiheit dürfen wir in großer Verantwortung füreinander wahrnehmen. Auch in den biblischen Texten strahlt uns diese neue Freiheit entgegen. Wir sind auf dem Weg zum großen Pfingstfest, dem Geburtstagsfest der Kirche, an dem alle Menschen mit Heiligem Geist, lebendigem Feuer und frischem Wind gesegnet werden. Das Pfingstfest ist nicht nur ein Geburtsfest, sondern auch der Beginn der Selbständigkeit der jungen Kirche. Noch wollen die Jünger ihren geliebten Jesus festhalten, so wie wir oft lieb gewordene Gewohnheiten nicht loslassen möchten. Doch er eröffnet ihnen eine neue Möglichkeit. Er sagt sinngemäß: „ Auch wenn ich nicht mehr bei euch bin, könnt ihr mit mir verbunden bleiben. Und aus dieser unsichtbaren, vertrauensvollen Verbundenheit seid ihr handlungsfähig. Ihr schafft das jetzt alleine!“               
Sind wir dazu bereit, liebe Schwestern und Brüder? Sind wir bereit, im Glauben erwachsen zu handeln? Was genau bedeutet das? Jesus sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ In der Verbundenheit mit Gott dürfen wir also mutig unsere Wege gehen, unsere Wahrheit ruhig und klar sagen und das Leben segnen. „Religio“ bedeutet Rückbindung. Wenn ich meine Entscheidungen – gerade auch in Krisenzeiten – in Rücksprache mit Gott treffe, habe ich eine ganz andere Basis für die nächsten Schritte, die zu gehen sind und bin auch freier von der Meinung anderer Menschen. Diese vertrauensvolle Rückbindung schenkt uns Würde und Mut. Schauen wir nicht nach oben, um Rettung zu erfahren, wie es der Engel am Himmelfahrtstag sagt, sondern schauen wir nach innen und schauen wir liebevoll auf das, was vor uns liegt, was uns geschenkt ist. Der Mai ruft uns zur Lebensfreude, zum Fest der Auferstehung, zur Freiheit der Kinder Gottes. Wir dürfen uns wiedersehen, wenn auch unter großen Auflagen. Wir dürfen gemeinsam Gottesdienst feiern. Wir dürfen die neuen Möglichkeiten der Begegnung nutzen. Und wir dürfen spüren, dass wir jetzt alle gefragt sind, unserem Weg, unserer Wahrheit und unserem Leben zu trauen und dann selbstbewusst zu handeln als Teil einer großen Gemeinschaft. „Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft.“ heißt es in der zweiten Lesung. Spüren wir einmal hinein in unsere gemeinsame priesterliche Würde und fragen wir uns dann: Welchen Weg möchte Gott mit uns gehen? Welche Wahrheit dürfen wir heute sagen? Wie können wir das Leben feiern und segnen? Ich wünsche uns allen von Herzen, dass wir mutige, lebendige und begeisterte Antworten auf diese Fragen finden.

Ihr/Euer Diakon Christian Engels

 



 

„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“

03.05.2020 vierter Ostersonntag

Liebe Schwestern und Brüder!

Erdbeeren
pixabay

Ich möchte meine Ermutigung zum 4. Ostersonntag mit einer Geschichte beginnen, die der Pfarrer Willi Hoffsümmer in seinem 4. Kurzgeschichtenbuch veröffentlicht hat:

Ein Besucher in Palästina traf an einer Wasserstelle auf drei Hirten, die ihre Tiere nicht nach Herden getrennt, sondern gemeinsam tränkten. Wie sollte da der einzelne seine Schafe wieder herausfinden? Als sich die Tiere sattgetrunken hatten, nahm der eine Hirte seinen Stab und rief: „Men-ah! – Folgt mir!“ Und sogleich schloss sich ihm seine Herde an. Dann rief der zweite Hirte, und das gleiche geschah. Der Besucher fragte nun den letzten Hirten: „Würden deine Schafe wohl auch mir folgen?“ Der Mann schüttelte den Kopf: „Versuch es!“ Daraufhin zog der Fremde den Mantel des Hirten an, band sich den Turban um, griff den Hirtenstab und rief: „Men-ah!“ Aber kein Tier folgte. „Nur wenn ein Tier krank ist“, lächelte der Hirte, „folgt es dem Nächstbesten.“

Am Sonntag des guten Hirten geht es darum, welcher Stimme wir Vertrauen schenken. In der aktuellen Krise kristallisieren sich besonders zwei gegensätzliche Lager heraus: Die einen sprechen von größerer Öffnung und darin schwingt neben wirtschaftlichen Interessen auch mit, dass sie uns Menschen zutrauen, verantwortlich mit der Situation umzugehen. Die anderen wollen sehr kontrolliert vorgehen, um möglichst viele Menschenleben zu retten. Auf welche Stimme sollen wir hören? Ich versuche, ein Gespür dafür zu entwickeln, aus welchen Motiven heraus jemand eine Meinung oder Vorgehensweise vertritt: Wieviel Eigeninteresse versteckt sich in den oft so wohl gewählten Worten? Das Evangelium ist sehr drastisch und bezeichnet diejenigen, die andere für ihre Zwecke missbrauchen, als Diebe: „Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten.“ Im Kontrast dazu nennt es uns deutlich die Absicht Gottes: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“                                                                     
Wir haben oft ein sehr genaues Gespür dafür, ob andere Menschen uns ausnutzen. Und es ist sehr wohltuend zu spüren, wenn jemand uns einfach nur etwas Gutes tun möchte:    „Kann ich dir noch einen Kaffee bringen?“ „Sollen wir eine Runde gemeinsam spazieren gehen?“ „Ich wollte einmal hören, wie es dir geht.“ Der gute Hirte zeichnet sich dadurch aus, dass er die Seinen kennt, sie beim Namen ruft und hinaus in die Weite führt. Diese Kriterien dürfen wir auch in der aktuellen Krise an die Stimmen anlegen, die jetzt Entscheidungen in unserem Land treffen. Den guten Hirten zeichnet die Fürsorge und die Zuneigung für die Seinen ganz besonders aus. Er setzt sein Leben dafür ein, damit es ihnen gut geht: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“                                   
Dieses erfüllte Leben ist uns auch jetzt in der eingeschränkten Situation geschenkt. Vertrauen wir der Stimme Gottes, die uns immer wieder zusagt: „Ich will, dass er dir gut geht.“ Aus diesem Zuspruch dürfen wir die Entscheidungen treffen, die jetzt anstehen.

Ein sicheres Gespür für die Stimme, die es gut meint, wünscht Ihnen von Herzen

Ihr Diakon Christian Engels



„Werft das Netz auf der richtigen Seite aus.“

26.04.2020 dritter Ostersonntag

Liebe Schwestern und Brüder!

Kind
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Seit sechs Wochen leben wir in einer Ausnahmesituation, und manche Menschen werden langsam müde oder ungeduldig. Ja, es zeigen sich Lockerungen und Erleichterungen, aber auf der anderen Seite wird deutschlandweit eine Maskenpflicht eingeführt und die Termine für unsere Feste und Feiern werden immer weiter in die Ferne geschoben oder ganz abgesagt. Für viele von uns steht jetzt sogar der Sommerurlaub auf dem Spiel, besonders, wenn er im Ausland geplant war. Auch den allein lebenden Menschen fällt langsam die Decke auf den Kopf. Wir sind mitten in der Osterzeit, der Zeit der Auferstehung und des neuen Lebens und spüren wenig davon in unseren aktuellen Bezügen. Auch die Jünger finden den Neuanfang nicht. Sie fallen nach der Krise in ihren alten Trott zurück, gehen ihren Gewohnheiten nach. Aber das funktioniert nicht mehr. Sie arbeiten die ganze Nacht, doch das Netz bleibt leer. Und dann kommt der Lebensimpuls von einem Unbekannten: Macht nicht so weiter wie bisher! Probiert es einmal anders!                                                   
Welche neuen Impulse kann uns die Corona-Krise geben? Ich sehe da einmal den respektvollen Umgang miteinander: dem anderen Menschen Raum lassen, ihn nicht drängeln, ihm nicht zu nahe treten. Respekt bedeutet wörtlich, noch einmal genau hinzuschauen, den anderen Menschen wahrzunehmen und in dem Unbekannten vielleicht die Schwester oder den Bruder zu erkennen, so wie der Jünger, den Jesus liebte, den Unbekannten als den längst Vertrauten erkennt. Unter diesem liebevollen Blick, der uns innerlich erfüllt, können dann auch alte Gewohnheiten losgelassen und etwas Neues kann gewagt werden. Werfen wir das Netz auf der richtigen Seite aus. Probieren wir aus, was uns heute erfüllt: mit Freude, mit Liebe, mit Frieden. „Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.“ Gott gibt reichlich. Das erkennen wir in diesem Bild. Er ist nicht sparsam, er knausert nicht.                                                                         
Gerade jetzt, da uns Begegnungsmöglichkeiten genommen sind, dürfen wir diese Fülle in den kleinen Dingen im Alltag finden: gemeinsam ein Puzzle mit der Familie machen, besonders lecker füreinander kochen, einander zuhören, füreinander beten, einander segnen und in diesen alltäglichen Dingen der Spur der Fülle Gottes folgen. Dabei ist es nicht entscheidend, was wir machen, sondern wie wir es machen.                                                         
Wenn ich ganz ehrlich bin, möchte ich nicht zur Normalität zurück, sondern ich wünsche mir, dass wir verändert aus dieser Zeit herausgehen, hinein in eine Zeit, in der wir uns gemeinsam um die Welt kümmern, die uns anvertraut ist, eine Zeit, in der es keine Hamsterkäufe mehr gibt, sondern wir erfüllt werden von unserem Einsatz für das Wohl der Gemeinschaft.                                                                      
Um diesen neuen Geist bete ich jeden Tag.

Ihr Diakon Christian Engels



„Selig, die nicht sehen und doch glauben.“

19.04.2020 zweiter Ostersonntag

Liebe Schwestern und Brüder!

Jetzt sind wir weitere zwei Wochen mit dem Versammlungsverbot belegt, und das Wesentliche unseres Lebens spielt sich bei uns zu Hause ab. Manche Menschen werden langsam unruhig. Wie gerne hätten wir an diesem 2. Osterwochenende unsere Erstkommunionen gefeiert! Ich grüße ganz herzlich alle Kinder und Familien, die dieses Fest verschieben müssen. Wie bei dem ausgefallenen Osterfest ist auch hier unsere Kreativität gefragt. Wir dürfen in unserer Familie eigene Feiern erfinden und uns jeden Tag gegenseitig mit kleinen Überraschungen erfreuen. Unsere Situation ähnelt der nachösterlichen Situation der Jünger. Aus Furcht vor dem Virus bleiben die Türen verschlossen. Und in diese Furcht hinein kommt Jesus als Freund und Begleiter und sagt: „Friede sei mit euch.“ Es wäre schön, wenn wir jetzt bei uns zu Hause etwas von diesem österlichen Frieden und der Nähe Gottes spüren könnten: bei jeder Mahlzeit, die wir einnehmen, wenn wir die Wärme der Sonne auf unserer Haut spüren, bei jedem Gebet und wenn wir das Aufblühen des Lebens im Frühling erfahren.

pixabay

Thomas geht es so, wie vielleicht manchem von uns. Er fühlt sich ausgeschlossen, denn er war nicht dabei, als Jesus mit den Jüngern zu Hause das Fest des Wiedersehens nach der Krise feierte. Er sagt seinen begeisterten Freunden: „Wenn ich das nicht selbst erfahre, glaube und vertraue ich nicht.“ Aber in seiner Sehnsucht nach der Nähe Gottes, liegt auch schon der Keim der Erfüllung. Folgen wir dem, wonach wir uns zurzeit besonders sehnen, denn Sehnsucht hat eine große Anziehungskraft. Gott ist für uns alle berührbar. Gerade jetzt, da wir Berührungsängste haben, hat dieses Wort eine große Bedeutung: „Hier sind meine Hände. Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite.“
Die Hände ausstrecken nach einer Berührung, nach einer Umarmung ist die Haltung, die Großes bewirken kann. Sie ist der erste Schritt aus der Vereinsamung, aus der Krise heraus, und um diese Schritte geht es jetzt. Die Experten dieser Welt empfehlen Schutzmasken und Sicherheitsabstand. Aber unser Gott schenkt Thomas in der Krise Nähe, Wärme, Berührung hautnah. Auch mit zwei Metern Abstand kann ich voll Liebe auf die Menschen schauen, die mir begegnen. Und hinter den Schutzmasken kann ich die Sehnsucht nach Sicherheit, Vertrauen und Rücksichtnahme sehen.                             
Für uns geht es aber nicht nur um materiellen Schutz. Deshalb dürfen wir unseren Gott als Experten einschalten. Haben wir im Gebet oder in der Stille Gott in diesen Tagen einmal gefragt: Was sind für dich die nächsten Schritte aus der Krise? Was kann ich persönlich tun? Und haben wir mit seiner Hilfe eine Lebensspur gefunden?         
Auch in unsere Tage hinein spricht Jesus: „Selig, die nicht sehen und doch glauben.“        Selig bedeutet glücklich. Es macht uns glücklich, wenn wir glauben können, was wir noch nicht sehen, aber herbeisehnen. Es macht uns glücklich, wenn wir der unsichtbaren Kraft Gottes Raum geben in den Entscheidungen dieser Tage. Also befragen wir auch den wahren Experten, wie sich die aus Furcht verschlossenen Türen wieder öffnen können.

Gehen Sie gesegnet und geliebt durch diese herausfordernden österlichen Tage.                   
Das wünscht Ihnen von Herzen im Namen aller Seelsorger/innen                                                                    
Ihr Diakon Christian Engels



 

„Das Osterlicht ist der Morgenglanz nicht dieser, sondern einer neuen Erde.“ (Gertrud von Le Fort)

11.04.2020 Ostern

Fotograf: Erzbistum Köln/PEK

Liebe Schwestern und Brüder!

Ostern ist dieses Jahr für uns ein stilles Fest. Wir erleben keine großen Feiern in der Kirche, keine Verwandtenbesuche, und auch der Osterurlaub findet dieses Jahr zu Hause statt. Kann Ostern auch in Stille bei uns zu Hause geschehen oder zu zweit unterwegs auf einem Spaziergang?
Die biblischen Erzählungen der Ostererfahrungen berichten oft von zwei Menschen, die gemeinsam unterwegs sind. Zwei Frauen brechen am frühen Morgen auf, um nach dem Grab zu schauen. In manchen Evangelien haben sie wohlriechende Öle bei sich, um den Toten zu salben, um ihm einen letzten Liebesdienst zu erweisen. Machen sie sich nur auf, um dem Toten zu begegnen, oder brechen sie vielleicht auch auf, weil sie tief in ihrem Inneren auf ein Wunder hoffen, von dem Jesus ja bei Lebzeiten schon gesprochen hat?     

Sich auf den Weg zu machen, um das Wunder des neuen Lebens zu erfahren, könnte ein Leitmotiv für unsere stillen Ostererfahrungen sein. Gerade jetzt, in Zeiten der Corona-Krise, gehen viele Menschen zu zweit oder mit der Familie nach draußen. Sie erleben den Frühling mit viel frischem Grün, sie erleben die Wärme der österlichen Sonne und sie schöpfen unterwegs neue Hoffnung, vergessen vielleicht sogar die Sorgen und Ängste der gegenwärtigen Zeit. Ostern ist aber auch ein inneres Geschehen, eine Ausrichtung unserer Gedanken und Hoffnungen in Richtung Neubeginn. Gerade in der Krisenzeit ist es wichtig, welche Gedanken, Worte und Werke wir in die Gemeinschaft hineinbringen. Wenn wir sagen: „Das wird noch Monate dauern und unsere Wirtschaft geht in eine große Rezession!“, dann ist keine Osterbotschaft.
Schauen wir auf das, was sich in diesen Tagen entfalten möchte. Erzählen wir von dem, was uns den Stein vom Grab wegwälzt. Wir werden die Auferstehung Jesu dieses Jahr vielleicht in den kleinen Erleichterungen des öffentlichen Lebens erkennen und feiern können: Wenn wir wieder zum Friseur gehen dürfen, wenn wir unsere Kinder, Enkelkinder und Freunde wieder herzlich und lange umarmen können, wenn wir wieder gemütlich mit der Familie essen gehen können. Aber es geht Ostern nicht nur um die kleinen Neuanfänge, die uns geschenkt werden und die persönlichen Aufbrüche, die wir wagen. Es geht auch um einen neuen Himmel und eine neue Erde, die alle Menschen und alle Geschöpfe umfasst. Es geht um Gerechtigkeit und Frieden, um die Bewahrung der Schöpfung. Dieser weite, österliche Blick, der die ganze Welt umfängt und der über den Tod hinausschaut, wird uns in diesen Tagen anvertraut. Als österliche Menschen geht es uns um das Heilsein der ganzen Welt. Schließen wir die Türen des winterlichen Denkens, der Starre, Angst und Hierarchie. Öffnen wir uns für das Licht des neuen Lebens in Gemeinschaft.    Wenn wir uns also in diesen österlichen Tagen auf den Weg machen, dann gehen wir als Hoffnungsgemeinschaft und entdecken das Wunder, dass das Grab schon längst leer ist. Spüren wir der Botschaft des Engels nach: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ Und vertrauen wir darauf, dass die Osterbotschaft in unseren Herzen wachsen will unterwegs, immer wieder, wenn wir aufbrechen, im Morgenglanz heute und in Ewigkeit.

Eine gesegnete und hoffnungsvolle Osterzeit wünscht Ihnen im Namen aller Seelsorger/innen
Ihr Diakon Christian Engels



„Wenn ich einen grünen Zweig im Herzen trage, wird sich ein Singvogel darauf niederlassen.“ (Chinesische Weisheit))

05. April 2020 (Palmsonntag)

Liebe Schwestern und Brüder!

Viele von uns wären jetzt gerne in die Osterferien aufgebrochen, hatten ein schönes Urlaubsziel vor Augen. Aber jetzt bleiben wir alle zuhause. Für die Kinder haben die Ferien begonnen, aber es macht keinen großen Unterschied zu den Tagen vorher. Es bleibt uns viel Zeit, und diese Zeit dürfen wir sinnvoll füllen.                                                                                       
Die Karwoche berührt uns mit der Erfahrung von Freude und Leid in unserem eigenen Leben. Nach dem freudigen Empfang in Jerusalem erfährt Jesus auch gleich die Ablehnung, bittere Feindschaft bis in den Tod. Wir dürfen ihn als treuen Begleiter in unserer persönlichen Lebens- und Leidensgeschichte spüren, gerade jetzt, in dieser Zeit.                                                              
Für den Palmsonntag und die Karwoche möchte ich Ihnen einen Vorschlag machen: Gestalten Sie in Ihrer Familie Ihren persönlichen Palmzweig mit grünen Zweigen und Frühlingsbändern. Sprechen Sie ein Segensgebet, und dann entwickeln Sie Ihren persönlichen Kreuzweg. Denken Sie sich, vielleicht in Gemeinschaft mit Ihren Lieben, Stationen in Ihrer Umgebung aus, die Ihnen in diesen Tagen wichtig sind: das Altenheim, das Krankenhaus, den Friedhof, die Schule, die Kindertagesstätte, die Notunterkunft für Obdachlose oder Flüchtlinge und ganz persönliche Stationen von Menschen in Ihrer Umgebung. Und jetzt können wir an jeder Station mit dem grünen Zweig in unseren Händen ein Gebet sprechen und einen Segen.     
Wenn wir die Verantwortung für unser Leben übernehmen und auch für das Leid, das wir gerade jetzt ganz in unserer Nähe erfahren oder von dem wir hören, dann können wir spüren, dass Gott uns gerade dann unsere königliche Würde erfahren lässt, wenn wir Herausforderungen nicht ausweichen, sondern dem Leben liebevoll dienen wie sein Sohn es getan hat: Wir können jeden Tag einen Menschen anrufen, ihm unser Ohr und ein wenig Zeit schenken, wir können kleine Botendienste für alte und kranke Menschen übernehmen, wir können den Menschen, denen wir täglich begegnen, ein Lächeln und ein hoffnungsvolles Wort schenken. Wenn wir unser Herz öffnen und jeden Morgen in Stille lauschen, werden wir spüren, wozu Gott uns heute ruft: „Gott, der Herr, gab mir die Zunge eines Jüngers, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich auf ihn höre wie ein Jünger.“, sagt der Prophet Jesaja in der ersten Lesung. In diesem leidenden Gottesknecht konnte Jesus eine Unterstützung und Perspektive für seinen eigenen Leidensweg sehen mit der Hoffnung auf das neue Leben, das Gott ihm schenken wird.                                                                                                                                 
Vertrauen auch wir auf das neue Leben nach der Krisenzeit in all den Entbehrungen, die wir jetzt erfahren, und gehen wir mutig und friedfertig durch diese Tage. Gottes Kraft möchte sich auch durch uns zeigen und uns in unserem Dienst am Leben liebevoll umfangen:  „Wir tragen ihm zu Ehren grüne Zweige in unseren Händen. Mehre unseren Glauben und unsere Hoffnung und lass uns in Christus die Frucht guter Werke bringen.“, heißt es im 2. Segensgebet der Palmzweige. Ich wünsche Ihnen im Namen aller Seelsorger/innen gute Ideen, die Frucht bringen, Zeichen der Hoffnung für Ihr Leben, viel Vertrauen und Liebe.                   

Ihr Diakon Christian Engels



Die materiellen Dinge dürfen vergehen                                      
Der Geist Gottes schenkt uns unvergängliches Leben

29. März 2020

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Liebe Schwestern und Brüder!

Viele vertraute Dinge um uns herum gehören auf einmal nicht mehr zu unserem Alltag: Begegnungen mit Freunden, herzliche Umarmungen, Familienfeste und andere Feiern. Das Leben ist sehr still geworden, und wir lernen wieder, Schlange zu stehen und zu warten. Aber nur darauf zu warten, dass das alles bald vorbei ist und wir zur Normalität zurückkehren können, ist zu wenig und wird auch dieser großen Herausforderung an uns alle nicht gerecht. Hängen wir nicht an Zahlen, an Statistiken und Prognosen, sondern machen wir unsere Herzen weit für die tiefere Aufgabe, die Gott uns jetzt anvertrauen will.                                                                                                                                                               
Wir werden von vielen Schrifttexten daran erinnert, unser Herz nicht an Dinge zu hängen, die vergänglich sind, denn damit hätten wir unser Lebenshaus auf Sand gebaut und die Stürme dieser Krise würden es zum Einsturz bringen.                                                                                                                                 
Die Schrifttexte ermutigen uns, nach dem Ausschau zu halten, was bleibt, was unzerstörbar ist in schweren Zeiten und über den Tod hinaus. Der Prophet Ezechiel spricht in der Krise von einem Neuanfang, den Gott mit seinem Volk machen will: „Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf.“ Das Volk Israel ist nicht wirklich tot. Aber es lebt im Exil, fern der Heimat, ohne Hoffnung. Vielleicht ist das vergleichbar mit der Einsamkeit der Quarantäne oder des häuslichen Alleinseins in unserer aktuellen Situation. Aus dieser Not heraus gilt es, eine neue Lebensperspektive zu entwickeln. Gottes Medizin für sein hoffnungsloses Volk drückt sich in folgenden Worten aus: „Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig.“ Welche Ermutigung steckt für uns in dieser Zusage?   
                                                                                          
1. Vertrauen wir darauf, dass Gott an unserer Seite ist und Schritte zur Hoffnung und Heilung mit uns geht.         
                                                                                                                                   
2. Vertrauen wir darauf, dass Gottes lebendiger Geist in uns wirkt und uns Wege aus der Krise zeigt.  
                                                                                                                                                           
3. Spüren wir die gemeinsame Aufgabe als Volk Gottes, aufzubrechen und aus dieser Hoffnung zu handeln.     
                                                                                                                                                       
4. Machen wir uns bewusst, dass Gott immer an der Seite der Notleidenden ist, und vergessen wir am heutigen Misereor-Sonntag die Ärmsten der Armen nicht.      
                             
Wenn wir uns in der Not vertrauensvoll an Gott wenden, wirft Gottes Verheißung durch den Propheten Licht auf unser Leben: „Ich bringe euch wieder in euer Land.“                              
Wir sind zwar zuhause, haben uns aber auch von manchen Dingen entfremdet, die uns in einem tieferen Sinne Heimat schenken: die Familie, die Natur, die Liebe zum Leben und unser Vertrauen auf Gott. Nutzen wir die geschenkte Zeit, um zu spüren, was uns innere Heimat gibt, was uns Lebensquelle, Licht und Hoffnung ist. Und verbinden wir uns bewusst jeden Tag neu mit dieser Quelle des Lebens und mit den Menschen, mit denen wir gemeinsam unterwegs sind. Gehen wir achtsam mit uns und allen Lebewesen um, denn in allem, so sagt das Buch der Weisheit, wohnt Gottes lebendiger Geist.     

Das wünscht Ihnen von Herzen im Namen aller Seelsorger/innen
Ihr Diakon Christian Engels.



Lebt als Kinder des Lichts

22. März 2020

Liebe Schwestern und Brüder!

Nach all den Absagen, die wir in der vergangenen Woche erfahren haben, brauchen wir auch eine Zusage, die Licht bringt in das, was gerade um uns, mit uns und in uns geschieht. Innerhalb von wenigen Tagen hat sich das Leben drastisch verändert: Schulen und Kitas sind geschlossen, das öffentliche Leben liegt weitgehend lahm. Hochzeiten, Taufen, Sonntagsgottesdienste und auch die Erstkommunionfeiern sind abgesagt. Der Gang nach draußen wird immer seltener, immer reglementierter. Eine Verordnung nach der anderen erreicht uns, und wir wissen nicht, was noch kommt.Auch wenn wir nach innen schauen, machen sich große Veränderungen bemerkbar. Was geschieht im Moment in den Wohnungen und in den Herzen der Menschen? Was geschieht bei den Alleinlebenden und Pflegebedürftigen, bei den Familien, die ihre Kinder zu Hause betreuen und bei denen, deren Arbeitsplatz oder Firmenexistenz auf dem Spiel stehen? Plötzlich breiten sich Verunsicherung, Angst und Zukunftssorgen unter uns aus. Und viele Unheilbotschaften, die im Umlauf sind, verstärken die Dunkelheit, die uns gerade berührt und vielleicht sogar gefangen nimmt.              
In den Schrifttexten des 4. Fastensonntags kommen wir mit dem Themenkreis Finsternis und Licht in Berührung. Das Evangelium erzählt von einem Menschen, der blind geboren wurde. Er hat das Licht der Welt niemals wirklich erblickt. Jesus öffnet ihm die Augen und lässt ihn teilnehmen an der sichtbaren Welt. Er wird nach seiner Heilung aus seiner Glaubensgemeinschaft ausgestoßen und findet in Jesus eine neue Glaubens- und Lebensperspektive. Wir werden durch die Corona-Krise auch zu großen Veränderungen gezwungen. Wir müssen alte, vertraute Sicherheiten hinter uns lassen und wissen nicht genau, was morgen sein wird.                      
Krise bedeutet Entscheidung. Krise bedeutet auch, Verantwortung zu übernehmen. Entscheide ich mich für das Vertrauen oder für die Sorgen, für die Gemeinschaft oder den Eigennutz, für das Licht oder für die Finsternis in mir?                                             
Paulus sagt in der 2. Lesung: „Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als Kinder des Lichts. Das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor.“                                  
Vielleicht ist das genau die Zusage, die wir in der Zeit der Absagen brauchen: Ihr seid Kinder des Lichts. Lebt als Kinder des Lichts. Jeder kann diese Zusage in sich zum Klingen bringen und dann in gute Ideen, von denen es ja schon einige gibt, und gute Taten umsetzen. Dazu gehören auch das tägliche Gebet Zuhause, die Bereitschaft, für das Gemeinwohl zu wirken, die eigene Lebensweise zu überdenken, gute Gedanken und Segen auszusenden in die Welt, sich die Augen von Gottes Geist öffnen zu lassen für den nächsten Schritt.               

Das wünsche ich Ihnen von Herzen im Namen aller Seelsorger/innen

Ihr Diakon Christian Engels