Neujahrsgedanken

„Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort.“

Glauben Sie an die Veränderung unserer Welt durch Worte? Der schlesische Dichter Joseph von Eichendorff sagt uns in seinem Gedicht, dass Worte uns zu unserem wahren Wesen führen können, und die Welt in einem neuen Licht erstrahlen lassen. Genauso können Worte das Leben verdunkeln. Eines dieser dunklen Worte des vergangenen Jahres ist für mich das Wort „systemrelevant“. Es ist ein Wort, das spaltet und eine Hierarchie aufbaut. Wir aber brauchen Worte der gemeinsamen Kraft, besonders in Krisenzeiten. Wählen wir also unsere Worte weise, und wählen wir für uns bewusst Worte, die die Welt mit Vertrauen, Hoffnung und Liebe nähren.
Was sind das für Worte, die unsere Welt gestalten können und uns mit Mut in das neue Jahr hinein geleiten und begleiten? Welches Wort, welchen Vers möchtest du 2021 zur Welt bringen?
Die Bibel schätzt das Wort sehr hoch ein: „Im Anfang war das Wort…und aus dem Wort ist alles geworden.“, so beginnt das Johannesevangelium. Worte haben also die Kraft, Wirklichkeiten zu erschaffen und zu formen. Gehen wir sorgsam mit unseren Worten um und vertrauen wir darauf, dass Worte etwas bewirken – jedes Wort, das wir sprechen. Das Johannesevangelium besingt das Schöpferwort. An der Kraft des Wortes reibt sich der gelehrte Dr. Faust in Goethes Drama:
„Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen. Ich muss es anders übersetzen.“ Seine Übersetzungsvorschläge lauten: Im Anfang war der Sinn…Im Anfang war die Kraft…Im Anfang war die Tat. Das sind gute Variationen dessen, was Worte bewirken können. Unsere Worte sollen Sinn stiften und anderen Menschen eine Perspektive eröffnen, die weit über Impfpläne hinausgeht, eine Hoffnungsperspektive für das neue Jahr. Worte sollen uns Kraft geben und uns zu guten Taten ermutigen. Auch das Johannesevangelium sieht in dem Wort eine große Schöpferkraft am Werk, die Licht in unser Leben bringt und uns mit der Fülle und Gnade Gottes berührt. Das Wort Gottes ist ein Schöpferwort, das jeden Tag etwas Neues ins Leben rufen möchte:
„Behutsam leise nimmst du fort die Dämmrung von der Erde, sprichst jeden Morgen neu dein Wort: Es werde, es werde. Es werde Licht an diesem Morgen, in dem das Alte neu erstrahlt, erscheinen wird, was noch verborgen, in Farben bunt das Leben malt. Es werde Licht für die Menschen in jedem Land. Halt über uns deine segnende Hand.“, heißt es in Lied 82 im Gotteslob.
Wie heißt das Wort, mit dem wir das alte Jahr verabschieden? Wie heißt das Wort, mit dem wir das neue Jahr begrüßen? Die Entscheidung darf und muss jeder selber fällen. Es ist unsere Verantwortung, was wir ins Leben rufen durch unsere Worte, was wir aufbauen oder auch zerstören. Wie heißt für mich das Zauberwort, das Schöpfungswort für das neue Jahr?
Für mich ist es ein Segenswort: Gott segne dich und behüte dich. Er lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Er wende dir sein Angesicht zu und schenke dir Heil.
Das wünsche ich Ihnen von Herzen. Und geben Sie diesen Segen bitte weiter.

Christian Engels