Die Zeichen der Zeit im Licht des Evangeliums sehen

Die materiellen Dinge dürfen vergehen                                      
Der Geist Gottes schenkt uns unvergängliches Leben

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Liebe Schwestern und Brüder!

Viele vertraute Dinge um uns herum gehören auf einmal nicht mehr zu unserem Alltag: Begegnungen mit Freunden, herzliche Umarmungen, Familienfeste und andere Feiern. Das Leben ist sehr still geworden, und wir lernen wieder, Schlange zu stehen und zu warten. Aber nur darauf zu warten, dass das alles bald vorbei ist und wir zur Normalität zurückkehren können, ist zu wenig und wird auch dieser großen Herausforderung an uns alle nicht gerecht. Hängen wir nicht an Zahlen, an Statistiken und Prognosen, sondern machen wir unsere Herzen weit für die tiefere Aufgabe, die Gott uns jetzt anvertrauen will.                                                                                                                                                               
Wir werden von vielen Schrifttexten daran erinnert, unser Herz nicht an Dinge zu hängen, die vergänglich sind, denn damit hätten wir unser Lebenshaus auf Sand gebaut und die Stürme dieser Krise würden es zum Einsturz bringen.                                                                                                                                 
Die Schrifttexte ermutigen uns, nach dem Ausschau zu halten, was bleibt, was unzerstörbar ist in schweren Zeiten und über den Tod hinaus. Der Prophet Ezechiel spricht in der Krise von einem Neuanfang, den Gott mit seinem Volk machen will: „Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf.“ Das Volk Israel ist nicht wirklich tot. Aber es lebt im Exil, fern der Heimat, ohne Hoffnung. Vielleicht ist das vergleichbar mit der Einsamkeit der Quarantäne oder des häuslichen Alleinseins in unserer aktuellen Situation. Aus dieser Not heraus gilt es, eine neue Lebensperspektive zu entwickeln. Gottes Medizin für sein hoffnungsloses Volk drückt sich in folgenden Worten aus: „Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig.“ Welche Ermutigung steckt für uns in dieser Zusage?   
                                                                                          
1. Vertrauen wir darauf, dass Gott an unserer Seite ist und Schritte zur Hoffnung und Heilung mit uns geht.         
                                                                                                                                   
2. Vertrauen wir darauf, dass Gottes lebendiger Geist in uns wirkt und uns Wege aus der Krise zeigt.  
                                                                                                                                                           
3. Spüren wir die gemeinsame Aufgabe als Volk Gottes, aufzubrechen und aus dieser Hoffnung zu handeln.     
                                                                                                                                                       
4. Machen wir uns bewusst, dass Gott immer an der Seite der Notleidenden ist, und vergessen wir am heutigen Misereor-Sonntag die Ärmsten der Armen nicht.      
                             
Wenn wir uns in der Not vertrauensvoll an Gott wenden, wirft Gottes Verheißung durch den Propheten Licht auf unser Leben: „Ich bringe euch wieder in euer Land.“                              
Wir sind zwar zuhause, haben uns aber auch von manchen Dingen entfremdet, die uns in einem tieferen Sinne Heimat schenken: die Familie, die Natur, die Liebe zum Leben und unser Vertrauen auf Gott. Nutzen wir die geschenkte Zeit, um zu spüren, was uns innere Heimat gibt, was uns Lebensquelle, Licht und Hoffnung ist. Und verbinden wir uns bewusst jeden Tag neu mit dieser Quelle des Lebens und mit den Menschen, mit denen wir gemeinsam unterwegs sind. Gehen wir achtsam mit uns und allen Lebewesen um, denn in allem, so sagt das Buch der Weisheit, wohnt Gottes lebendiger Geist.     

Das wünscht Ihnen von Herzen im Namen aller Seelsorger/innen Ihr Diakon Christian Engels.